Wissenswertes aus 800 Jahren Geschichte von
Lichtenwalde
1.
Zeittafel Schloss und
Park Lichtenwalde
2.
Der
Große Schlossbrand Walpurgisnacht 1905
3.
Wiedereinzug
in das Schloss Lichtenwalde vor einhundert Jahren
4.
Das Chinesische Zimmer
5.
Die Schlosskapelle
6.
Die Sage
von Harras dem kühnen Springer
7.
Das
Zugunglück am Harrasfelsen
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Das Zugunglück am Harrasfelsen
Am 14. Dezember 1913 tobte ein schweres Gewitter. Es führte gegen
22.00 Uhr zu einem Felsrutsch am Haustein, der einen Tunnelausgang
verschüttete. Wenig später fuhr ein Personenzug aus Frankenberg kommend
mit zwei Lokomotiven in den Tunnel ein. Erst 5 bis 6 m vor Tunnelende
bemerkte der Führer der Vorspannlok das Hindernis und leitete eine
Schnellbremsung ein, konnte aber ein Auffahren auf die Felstrümmer nicht
verhindern.
Aus Richtung Chemnitz und Frankenberg kamen angeforderte Hilfszüge
mit Werkstatt- und Arztwagen. Die Bergung der Verletzten und Toten gestaltete sich in dem engen
Tunnel überaus kompliziert. Erschwerend kam hinzu, dass ausströmendes Gas
den Aufenthalt fast unerträglich gestaltete und die Gefahr einer
Explosion bestand.

Einige
Fakten zum Unglück:
·
Das Unglück gehört noch heute zu den zehn
schwersten Eisenbahnkatastrophen Sachsens
·
Ca. 100 Kubikmeter Felsmassen waren
abgestürzt.
·
Die erste Lok kam erst mehrere Meter über den
Gleisen auf dem Gestein zum stehen.
·
Von 18 (?) Wagen wurden 12 beschädigt (7 sogar
fast vollständig zertrümmert), ebenso beide Lokomotiven.
·
Es starben 10 Personen (4 waren sofort tot, 6
erlagen ihren Verletzungen später), 11 weitere Personen waren schwer und
42 Personen leicht verletzt.
·
Eine Zeitung bezifferte den Sachschaden auf
26.600 M.
·
Die reparierte Vorspannlok verrichtete bis 1933 Dienst.
·
An Entschädigungen zahlte der Staat rund
46.000 M.
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Der Rechtsstreit
Einer der Verletzten klagte gegen die Sächsischen Staatsbahnen, die
den Unfall als eine Folge höherer Gewalt betrachteten und eine Haftung
ablehnten, durch alle Instanzen bis zum Reichsgericht. Das
Oberlandesgericht Dresden als letzte Instanz bestätigte die Haftpflicht
der Bahn wegen der Betriebsgefahr, auch wenn der Bahn in diesem Fall kein
schuldhaftes Handeln anzulasten war.
Im Dezember1920 kam es zum Vergleich: gegen eine Abfindung von 35.000
M und Begleichung aller Prozesskosten aus der Staatskasse verzichtete der
Kläger auf weitere Ansprüche.
Ursache des Felssturzes
Die Katastrophe hatte ein Felsschliff herbeigeführt. Überm Südportal
des Tunnels zog sich im Hornblendenschiefer eine steil nach Süden
geneigte Kluftfläche hin. Die vielen
Wassermassen jenes Abends vollendeten das Werk von Frost und Regen der
Jahre zuvor. Die zerrissenen Gesteinsteile im Kluftraum
wurden zu einem schlüpfrigen Brei, der auflastende Fels setzte sich auf
dieser Gleitfläche in Bewegung und stürzte ab.

Kontroversen nach dem Eisenbahnunglück
Heftige Kontroversen nach dem Eisenbahnunglück, hervorgerufen durch
Überlegungen den Harrasfelsen abzutragen:
Dazu schreibt “Chemnitzer Volksstimme” am 23.12.1913 die Staatsbahn
wolle die Sicherheit der Reisenden nicht für einen 80 m langen überflüssigen
Tunnel aufs Spiel setzen, was zu einer Welle der Empörung führte. Nicht
nur Naturfreunde aus Sachsen setzten sich für den Erhalt des Harrasfelsens ein. Der Tunnel blieb unter Druck der
Öffentlichkeit erhalten. Er wurde ausgemauert sowie zwei neue Portale
errichtet.
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